Junglandwirteförderung der EU soll den Nachwuchs sichern

Die landwirtschaftlichen Förderungen der Europäischen Union werden über den politischen Bereich “Gemeinsame Agrarpolitik”, kurz GAP, erarbeitet. Die Zeiten der direkten Subventionen und damit auch der Bestand von Milchseen und Butterbergen sind seit 1993 Vergangenheit. Seit dieser Zeit wurden in mehreren Etappen Reformen durchgesetzt.

So lässt sich der Zeitraum von 1993 bis 2004 unter dem Begriff Produktprämien zusammenfassen, während ab 2005 bis 2013 weiter Richtung Betriebsprämien reformiert wurde. Mit der nun anstehenden Weiter- bzw. Neureformierung hat der derzeitige landwirtschaftliche Kommissar, Dacian Ciolos, die Förderung von Junglandwirten angestoßen.

Warum eine Junglandwirteförderung sinnvoll ist

Dass es nun zu einer zusätzlichen Förderung von Junglandwirten kommen soll, ist nachvollziehbar. Laut letzten Erhebungen belief sich die Zahl der Landwirte innerhalb der EU über 65 auf rund 30 Prozent, während die unter 35-jährigen nur sechs Prozent stellen. Die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs an die nachfolgende Generation stellt somit eher die Ausnahme dar.

Dazu kommt, dass viele Betriebe nur noch als Nebenerwerbstätigkeit geführt werden, schlimmstenfalls sogar nur noch als Hobby, während der Hauptanteil an landwirtschaftlicher Produktivität vornehmlich bei wenigen Großbetrieben liegt. Dem will die GAP durch eine gezielte Förderung der Junglandwirte entgegentreten. Diese Förderung käme dann nicht nur Junglandwirten, sondern ebenso Jungwinzern und der Nachwuchs-Betriebsleitung von Obstplantagen zugute.

So könnte die Förderung laut EU-Kommissar Ciolos aussehen

Seit 2004 erhalten die europäischen Landwirte im Rahmen der Betriebsprämien auch eine direkte Zuwendung. Ausgehend von dieser Direkthilfe lautet der Vorschlag von Dacian Ciolos, dass Junglandwirte in den ersten fünf Jahren ihrer Betriebsübernahme auf dieser Grundlage 25 Prozent mehr Hilfe erhalten. Das Alter der Nachfolgegeneration soll nicht älter als 40 Jahre sein.

Als Berechnungsgrundlage dient dabei die landwirtschaftliche Nutzfläche. Diese wird mit einem Minimum von 25 ha angegeben, richtet sich in den einzelnen EU-Ländern aber nach deren Durchschnittswerten. Für Deutschland würde das eine Berechnungsgrundlage von 46 ha bedeuten. Zusätzliche Kosten würden durch diese Förderung ebenfalls nicht entstehen, da für diesen Zweck zwei Prozent der Direkthilfen zur Verfügung gestellt werden sollen.

Was deutsche Bauern- und Landjugendverbände davon halten

Die deutschen Bauernverbände sehen in dieser Maßnahme den Weg in die richtige Richtung, gestalten sie das Berufsfeld Landwirt doch noch wesentlich interessanter. Die Vorschläge der Bauernverbände reichen dabei sogar noch weiter. So müsste zur Beantragung sowieso der Ausbildungsnachweis zum Landwirt erfolgen.

Die deutschen Verbände haben vorgeschlagen, dass diese Hilfen zum Beispiel in Weiterbildung und zu Spezialisierungen verwendet werden könnten. Damit die landwirtschaftlichen Führerscheine zu subventionieren, wäre ein weiterer Vorschlag. Zudem kam von deutscher Seite der Vorschlag, das Höchstalter auf 35 Jahre zu begrenzen.

Laut der Meinung der deutschen Bauernverbände sollten die Junglandwirte diese Förderungen als eine Art Betriebsleiterförderung sehen. Außerdem fordert der Bund der deutschen Landjugend, der BDL, dass die Hilfe nicht auf freiwilliger, sondern bindender Basis verabschiedet werden soll.

Bestandteil der Reformen 2014 bis 2020

Zu verstehen ist die Junglandwirteförderung dabei als Bestandteil des nächsten Reformschrittes, da ja die unter Betriebsprämien zusammengefassten Reformen nach 2013 neu geregelt werden müssen. Das nächste Reformpaket, worunter auch die Junglandwirteförderung fällt, hat Gültigkeit von 2014 bis 2020. Dabei ist diese Jungbauernförderung nicht die erste Fördermaßnahme, die es gibt.

Der Aufgabenbereich der GAP ruht auf zwei Säulen. Unter der ersten Säule wird Produktivität, unter der zweiten ländliche Entwicklung und Ökologie zusammengefasst. Und aus dem zweiten Bereich heraus gibt es bereits Förderungen, die, geht es nach dem BDL, beibehalten werden sollen. Außerdem bieten die einzelnen Bundesländer einzelbetriebliche Investitionsförderungen an, welche ebenso Junglandwirteförderungen beinhalten.

Noch großer Diskussionsbedarf der einzelnen EU-Staaten

Wie allerdings die konkrete Förderung ab 2014 durch die Europäische Union aussehen soll, ist derzeit noch weitgehend offen. Insgesamt befürworten die einzelnen Länder die Fördermaßnahmen. Während man sich beim Höchstalter von 40 Jahren im Großen und Ganzen einig ist, herrscht über die Beurteilung der nationalen Durchschnittsgrößen, die als Berechnungsgrundlage benötigt werden, noch große Uneinigkeit. Die dänische Ratspräsidentschaft hat nun zunächst die einzelnen Agrarminister der EU-Länder aufgefordert, entsprechende Stellungnahmen abzugeben, was deren Vorstellung vom Wann und Wie der Junglandwirteförderung beinhaltet.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>